3 Tipps für deinen Durchblick

Sicher kennst du das Sprichtwort: Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

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Was ist damit genau gemeint? Und was hat das mit dir als Schüler und Schülerin zu tun?

Nun, zum einen meint diese Redensart, das jemand das Offensichtliche, das, was direkt vor ihm liegt, nicht sieht. Derjenige scheint so verwirrt oder durcheinander zu sein, dass er keinen Durchblick hat.

Zum anderen kann man den Satz auch so verstehen, dass jemand nur die Einzelheiten sieht – also hier die Bäume – aber nicht das Ganze, das die Bäume bilden – den Wald.

Wie auch immer: Was hat das mit dir zu tun?

Vielleicht vorher noch etwas zu meinen Erfahrungen:

Viele Schüler, mit denen ich arbeite, scheinen vollkommen verwirrt zu sein. Sie haben im Laufe vieler Schultage so viele Einzelheiten (=Bäume) aufgenommen, dass ihnen jetzt der Überblick (= Wald) fehlt. Sie haben wirklich keinen Durchblick, „keinen Plan“.

Kommt dir das bekannt vor?

Nehmen wir an, du hast in mehreren Englischstunden gelernt, was das simple past ist. Du hast Regeln aufgeschrieben, die unregelmäßigen Verben mühselig in dich reingedrückt und verschiedene Übungen gemacht.

Und nächste Woche soll darüber eine Klassenarbeit geschrieben werden.

Und plötzlich stellst du fest, dass du rein gar nichts weißt. Du weißt weder, wie „brought“ auf Deutsch übersetzt wird, noch warum auf einmal ein „did“ in der Frage auftaucht.

Und du hat Muffensausen, weil die Arbeit bestimmt daneben gehen wird.

Wie kommt das?

Und genau jetzt komme ich ins Spiel mit dem Wald und den Bäumen und erkläre dir, wie du es schaffen kannst, den Durchblick zu halten.

Tipp 1: Pack die Lupe aus!

Im Unterricht bleibt meistens nicht genug Zeit, um auf jedes Detail eines möglichen englischen Satzes oder einer mathematischen Berechnung einzugehen.
Du kannst aber bei vielen Hausaufgaben nicht nur stupide irgendwelche Wörter in einen Lückentext einsetzen, sondern dir Gedanken dazu machen.

Mach doch eine kurze Pause und übersetze dir die Sätze grob ins Deutsche.

Oder lies den Abschnitt im Lesebuch mal wirklich langsam und mit voller Konzentration. Hast du wirklich verstanden, worum es geht?

In Mathematik könntest du dir blitzschnell selber weitere, ähnliche  Aufgabentypen überlegen und durchrechnen.

Auf den ersten Blick sieht das alles nach erheblicher Mehrarbeit aus.

Tatsächlich aber siehst du nun den einzelnen Baum, sprich: das Detail, das Besondere an dem, was du gerade machst.

Tipp 2: Erkläre es anderen!

Wenn du etwas Neues lernst, spielst du die Rolle des Zuhörers. Du bist passiv, nimmst auf und speicherst es hoffentlich ab.

Dass du ein Thema damit quasi automatisch verstanden hast oder es auch nur bis zur nächsten Woche noch kennst – na, du weißt selber sicher, dass das eher selten vorkommt.

Woran liegt das?

Wir lernen nur das, was wir selber erfahren.  Du hättest nie laufen gelernt, wenn du es nicht selber ausprobiert hättest. Versteht jeder, nicht?

Für deinen Schulalltag bedeutet das:

Höre richtig konzentriert zu! Ja, auch wenn es dich gerade nicht interessiert.

Lies richtig konzentriert!

Mach richtig konzentriert die Hausaufgaben.

Und erkläre bei passenden Gelegenheiten anderen, was du alles an tollen, neuen Dingen gelernt hast!

Erst wenn du also richtig konzentriert durch den Wald gegangen bist, siehst du die einzelnen Bäume und kannst später davon erzählen.

Tipp 3: Wenn etwas nicht läuft, ändere deine Laufrichtung!

Okay. Du hast mind maps erstellt. Du hast die Regeln zur Bruchrechnung drauf. Du hast die rethorischen Figuren auswendig gelernt. Und trotzdem war die Arbeit wieder nichts.

Was hast du falsch gemacht?

Na ja, eigentlich hast du alles richtig gemacht, denn du hast dich ja vorbereitet. Das Ding ist nur, du hast es wie immer gemacht. Und das kann oft fatal sein.

Nehmen wir an, du bist wieder im Wald mit den Bäumen 🙂

Du joggst dort fröhlich vor dir her und stolperst dann über eine Baumwurzel. Würde dir das am nächsten Tag wieder passieren? Ich denke nicht.

Warum nicht?

Weil du gelernt hast, wo du gefahrlos laufen kannst und wo du aufpassen musst.

Und wie ist das mit deinem Lernen?

Du hast festgestellt, dass deine Methode des Vokabellernens nichts bringt, weil du die Wörter nach dem Test wieder vergessen hast. Und? Wechselst du nun deine Methode?

Wenn du tickst, wie die meisten Schüler, machst du einfach weiter, als würde alles gut laufen.

In vielen anderen Dingen wechseln wir oft ganz schnell auf eine andere Methode, wenn eine nicht funktioniert. Nur beim Thema Lernen scheint es sich nicht herumgesprochen zu haben, dass es auch anders geht.

Damit du aber auch beim Lernen Erfolge hast, achte darauf, wenn etwas nicht so ausgeht, wie du es erwartest hast. Und dann bereite dich das nächste Mal anders vor.

Tapp also nicht immer in dieselben Fallen, sondern mach dich schlau.

Lies nach, was es alles für tolle Lernstrategien gibt! Und wende sie nacheinander an, bis du DEINE Strategie gefunden hast. Die, mit der du es schaffst, den Überblick zu behalten.

Und wenn du es alleine nicht schaffst, die Laufrichtung zu ändern, dann lass dir von jemandem helfen, der sich damit auskennt 🙂